Jeden Monat lassen wir unsere Partner zu Wort kommen, die wie wir die Versicherungsbranche revolutionieren möchten. Diesen Monat ist Nikolaus Haufler bei uns zu Gast, CEO und Mitbegründer des deutschen Insurtech-Unternehmens Wetterheld, das sich auf parametrische Versicherung gegen Wetterrisiken spezialisiert hat. 

Können Sie uns Wetterheld kurz vorstellen? 

Ich war fünf Jahre lang als Berater im Bankensektor tätig. Während dieser Zeit kam mir die Idee, Wetterheld zu gründen. Ich sprach mit vielen Kunden, die Festivals, Konzerte oder andere große Events im Freien veranstalteten. Viele beschwerten sich über Regen und schlechtes Wetter, aber keiner von ihnen hatte eine Versicherung abgeschlossen, weil es einfach keine gab! 

Nikolaus und sein Bruder beschließen, hier nachzuhaken: Wie können kleine und mittlere Unternehmen gegen schlechtes Wetter versichert werden durch eine Lösung, die online und vor allem in Echtzeit zugänglich ist?  

Im Jahre 2019 beschließt Nikolaus, seinen Job zu kündigen und der erste Wetterheld-Mitarbeiter zu werden. Sein Bruder folgt ihm einige Monate später. Heute hat das Insurtech mehr als ein Dutzend Mitarbeiter.   

Mit welchen Herausforderungen wurden Sie nach der Gründung von Wetterheld konfrontiert? 

Es stellte sich heraus, dass es schwieriger war, Kunden zu treffen und ihnen unsere Idee vorzustellen, als wir dachten. Wenn du lediglich eine Idee vorzuweisen hast, ist es nicht einfach, die Zeit von vielbeschäftigten Menschen in Anspruch zu nehmen, ohne einen echten Mehrwert zu bieten. Es gelang uns dennoch, mit Akteuren aus verschiedenen Branchen (Veranstaltungsbranche, Gastronomie, Landwirtschaft usw.) ins Gespräch zu kommen, um Feedback zu erhalten und vor allem unser Wertangebot zu verbessern. Wir konnten nicht lediglich eine Regenversicherung für Outdoor-Veranstaltungen oder Gastronomen anbieten. 

Wir mussten zusätzlich eine Versicherung gegen Dürre für Landwirte bereitstellen. Dieser Bedarf wurde von den herkömmlichen Versicherungen auch nicht abgedeckt. Doch bevor wir loslegen konnten, hielten wir es für wichtig, weitere Kundenmeinungen einzuholen. 

Im November 2019 haben wir einen Stand auf einer großen Landwirtschaftsmesse in Deutschland gewonnen.

Sechs Tage lang konnten wir uns mit Landwirten über unsere Idee einer Dürreversicherung austauschen. Wir erhielten viele positive Rückmeldungen.

Tatsächlich hatten die Landwirte in Deutschland im Jahr zuvor eine starke Dürre erlebt und konnten der Idee daher viel abgewinnen. Aus Risikosicht ergänzen sich unsere beiden Produkte* perfekt: Du hast entweder Dürre oder Regen! (Lachen)

(Dürreversicherung für Landwirte und Regenversicherung für Veranstalter von Freiluft-Events*). 

Welche Probleme der Landwirte wollten Sie mit Ihrer Versicherung lösen? 

Für die Landwirte ist es sehr einfach: In 90 % der Fälle werden sie ein ganz normales Jahr und einen ganz normalen Ertrag haben. Es kann jedoch während eines wichtigen Zeitraums zur Dürre kommen, nämlich während der 4 bis 6 Wochen dauernden Vegetationsperiode. Wenn es während dieser Zeit nicht genug regnet, können die Landwirte einen Teil ihrer Ernte und damit auch einen Teil ihres Einkommens verlieren und es wird für sie schwierig, ihre Rechnungen, Kredite oder sogar ihre Angestellten zu bezahlen.

Es handelt sich manchmal um kleine Betriebe, die nicht unbedingt über ausreichende Barmittel verfügen, um diesen Ausfall auszugleichen. Dieses Problem wollen wir mit unserer Versicherung aus finanzieller Sicht angehen. Ich glaube jedoch, dass wir ihnen auch aus psychologischer Sicht helfen, denn das Wissen, dass sie bei Dürre eine finanzielle Entschädigung erhalten, nimmt ihnen eine Last von den Schultern. 

Was ist mit den Veranstaltern von Events oder Gastronomen?  

Sie investieren viel Zeit und Energie in die Vorbereitung einer Freiluft-Veranstaltung, bei der die Menschen z. B. Musik hören, essen usw. Wenn es aber einen oder mehrere Tage lang regnet, werden die Menschen weniger vom Angebot profitieren und folglich weniger ausgeben. Die Veranstalter können dann eventuell ihre Kosten nicht decken! Dasselbe Prinzip gilt für die Gastronomen, an die sich das Produkt ebenfalls richtet, wenn sie ihre Terrassen im Sommer nicht öffnen können, weil es regnet. Es ist stets das gleiche finanzielle Risiko, das wir abdecken wollen. 

Können Sie uns mehr über die Dürreversicherung erzählen, die wir gemeinsam entwickelt haben?  

Der Prozess ist recht einfach und intuitiv! Sie brauchen nur auf unsere Website zu gehen. Nehmen wir als Beispiel einen Landwirt, der seine Pflanzenkulturen gegen Dürre versichern möchte. Er klickt auf „Gegen Dürre versichern“ (Insure against drought)  

Credits: www.wetterheld.com

Dann wählt er die wichtigste Kultur aus, die er besitzt und die er versichern möchte: z. B. Kartoffeln. Er wählt das Datum, an dem er sich versichern möchte, und die Anzahl der Tage. 

Credits: www.wetterheld.com

Er muss die Adresse seines Betriebs angeben und die nächstgelegene Wetterstation bestätigen. Dieser Punkt ist sehr wichtig, da die Zahlung seines Schadens von den Messungen dieser Station abhängt.  

Credits: www.wetterheld.com

Zudem kann der Landwirt den Vertrag individuell anpassen. Er kann die Anzahl der zu versichernden Tage angeben, den Höchstbetrag der Zahlung und er kann sogar den Verlauf der Wetterbedingungen der Station einsehen. Der Versicherte sieht genau den Betrag, den er erhält, wenn es keine Regentage gibt (oder einen, zwei, drei usw.). Wir wollten eine echte Kundenerfahrung mit einer benutzerfreundlichen und vor allem für den Versicherten transparenten Umgebung.

Credits: www.wetterheld.com

Wenn Sie eine Versicherung abschließen, ist die Kundenerfahrung im Schadensfall der wichtigste Moment für den Versicherten. Aus diesem Grund bieten wir einen transparenten Verlauf. Jeden Tag haben die Versicherten in ihrem Kundenportal Zugang zu den Daten der Wetterstation und können die Auswirkungen auf ihren Vertrag anzeigen.

Im Schadensfall erhalten sie automatisch eine E-Mail mit dem Hinweis, dass sie eine Schadensmeldung machen können und ihre Entschädigung erhalten. Bei der parametrischen Versicherung ist der Validierungsprozess sehr einfach: Wenn es laut Wetterstation keinen Niederschlag gegeben hat, erhalten Sie eine Entschädigung. So einfach ist das! 

Inwiefern unterscheidet sich Ihr Produkt von herkömmlichen Versicherungen?  

Das Wetterrisikomodell, das wir erstellt haben, ist ein sehr kompliziertes mathematisches Modell. Ich glaube, es gibt nur wenige Unternehmen auf der Welt, die ein Risikomodell wie dieses haben. Wir sind die einzigen, die es in Echtzeit anwenden können, wobei wir uns natürlich strikt an die geltenden Vorschriften halten.

Unsere und Ihre Ideen bezüglich der Versicherungen ähneln sich sehr; wir wollen für unsere Kunden so transparent und klar wie möglich bleiben.

Unsere Versicherungsnehmer können ihr Produkt individuell anpassen und ein genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Produkt schaffen.  

Mit einigen Klicks können sie es auf unserer Plattform kaufen und erhalten sofort ihre Versicherungspolice.  

Hierfür haben wir zunächst zahlreiche Tests durchgeführt und viele Bestätigungen erhalten! Ihr Risk Squad hat zahlreiche Dokumentationen gelesen, bevor es unser Modell genehmigt hat. Wir waren sehr stolz, als wir die Genehmigung erhielten. Das hieß, dass unser Modell funktionierte! 

Warum haben Sie beschlossen, mit Wakam zusammen zu arbeiten?  

Ich habe über verschiedene Quellen von Ihnen gehört. Zunächst einmal stammen unsere Investoren aus Paris, sie kennen Ihr Managementteam und haben uns von Ihnen erzählt (nur Gutes, das kann ich Ihnen versichern!). Wir waren auch Teil eines Beschleunigers mit anderen Insurtech-Gründern. Sie haben uns von den Geschäftsbeziehungen sowie Ihrer Arbeitsweise erzählt und was wir hörten, gefiel uns sehr.  

Zudem ist Ihre Präsenz in ganz Europa für uns höchst interessant, denn das Problem, mit dem wir uns beschäftigen, ist nicht auf Deutschland beschränkt! In Zukunft wollen wir das Produkt auch in anderen Ländern anbieten. Dies war der wichtigste Punkt. 

Wie lange hat es gedauert, um das Produkt zu validieren?  

Von der Validierung des Risikomodells bis zur technischen und rechtlichen Umsetzung vergingen 5 Monate. Ich glaube, ohne die Weihnachtsferien hätten wir es schneller geschafft!

Aber zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass wir Zeit verlieren. Ihre Teams haben enorm viel geleistet, um alles zu überprüfen, damit wir das Produkt unter den bestmöglichen Bedingungen auf den Markt bringen konnten. 

Könnten Sie mit drei Adjektiven unsere Zusammenarbeit beschreiben?  

Ich würde sagen: ehrlich, auf den Erfolg des Projekts ausgerichtet und vor allem viel Spaß! Es hat mir viel Spaß gemacht, mit Ihren Teams am Produkt zu arbeiten.  

Hat sich Covid-19 auf Ihr Geschäft ausgewirkt?  

Ja, natürlich, und insbesondere auf unsere Versicherungen für Freiluft-Veranstaltungen oder Gastronomen. Aufgrund der Pandemie wurden zahlreiche Konzerte und Festivals abgesagt. Die Lage verbessert sich nun allmählich.  

Was unsere Dürreversicherung betrifft, waren die Landwirte weniger von der Pandemie betroffen, da die Menschen jeden Tag essen müssen! Wir hatten großes Glück, dass wir dieses Produkt vor der Pandemie gefunden haben. Es hat unser Geschäft gerettet.     

What are the next challenges for Wo liegen die nächsten Herausforderungen für Wetterheld? ?

In diesem Jahr war die Dürreversicherung wegen des Wetters bei den Landwirten nicht sehr gefragt: Es gibt starke Regenfälle, aber keine Dürre.

Wir wollen den Landwirten übrigens ein umfassenderes Angebot machen, das mehrere Wetterrisiken wie starke Regenfälle abdeckt (was auch nicht unbedingt gut für sie ist!).  

Zudem wollen wir Veranstalter von Freiluft-Events auf uns aufmerksam machen. Wie bereits erwähnt, nimmt die Branche gerade wieder Fahrt auf. Derzeit konzentriert sie sich eher auf die Gesundheitsrisiken als auf die Wetterrisiken. Aber wenn die Branche wieder in Schwung kommt, wird sie die Vorteile der Regenversicherung entdecken.  

Zudem arbeiten wir an einer stärkeren B2C-Vertikale. Wir prüfen, ob wir unser Angebot auch für Privatpersonen und andere Unternehmen anbieten können.  

Haben Sie vor, in Europa zu expandieren? 

Ja, ich verbringe viel Zeit damit, die Geschäftschancen außerhalb von Deutschland zu prüfen. Die Probleme, mit denen wir uns befassen, gehen über unsere Grenzen hinaus. Und da Sie über eine Lizenz in ganz Europa verfügen, müssen wir neue Märkte erschließen.  

Zurzeit konzentrieren wir uns auf Polen. Dort gibt es eine große Nachfrage nach unserer Dürre- und Regenversicherung. Daran werden wir in den nächsten Monaten arbeiten. Selbstverständlich werden wir Sie auf dem Laufenden halten!  

Ein Schlusswort?  

Wir stellen fest, dass die Presse, die breite Öffentlichkeit und die Unternehmer den Extremwetterereignissen zunehmend Aufmerksamkeit schenken. Es gibt eindeutig einen Trend, diese Risiken ernster zu nehmen und sich gegen sie zu versichern! Unsere Produkte und Technologie decken diese neue Nachfrage optimal ab. Wir werten ständig die Auswirkungen des Wetters auf die Wirtschaft, die Unternehmen und alle Bereiche aus, in denen wir eine Lösung anbieten könnten.  

Und zu guter Letzt: Wenn einige Insurtech-Unternehmen mit Wakam zusammenarbeiten wollen, nur zu!  

Das Interview wurde im Juli 2021 geführt.